Mit Vollgas im falschen Gang

Nicht jede wirksame Zusammenarbeit beginnt mit einem sauber definierten Coachingauftrag. Manchmal beginnt sie mit einem lockeren Gespräch, in dem jemand schneller verstanden wird, als er es erwartet hätte.
Johann Rabbow und Dr. Franz Metz lernten sich zufällig auf einer privaten Veranstaltung kennen. Sie kamen ins Gespräch und tauschten sich in der Folge über ihr Leben und ihre beruflichen Interessen aus. Dabei ging es auch um aktuelle berufliche Herausforderungen. Eine normale Begegnung, möchte man meinen. Für Rabbow wurde sie weit mehr als das.
Die Ausgangslage
In seiner aktuellen Position als Head of Digital Forensics und Incident Response bei einem auf Cybersicherheit spezialisierten Schweizer Beratungshaus hat er sich vielfältigen Herausforderungen zu stellen. Der studierte IT-Forensiker und Volljurist arbeitet in einer Branche, die für Außenstehende nur schwer einsehbar ist.
Er beschäftigt sich mit Cyberangriffen, deren Auswirkungen und ihrer Bekämpfung. Es geht um Datendiebstahl, Erpressung und Lösegeldzahlungen. Es geht um Aufklärung vor, während und nach Cyberangriffen, um die Ermittlung des Schadens und die Rückführung von Unternehmen in den Normalbetrieb. Er und seine Kollegen unterstützen Unternehmen und staatliche Einrichtungen, wenn deren IT-Sicherheit versagt hat.

Das Herausfordernde daran: fachliche Höchstleistungen erbringen, während Kunden emotional auf Talfahrt gehen. Wer in dieser Branche gut sein möchte, braucht ein besonnenes Gemüt. Rabbow muss seine Emotionen unter Kontrolle haben, Menschen lesen können und fachlich hervorragend aufgestellt sein. Cyberangriffe sind so bunt wie das Leben selbst. Nur eines eint sie: Am Ende geht es immer um Geld und, wenn sie größere Ausmaße angenommen haben, um das wirtschaftliche Überleben der Opfer.
Zwischen den Einsätzen geht es aber um mehr. Rabbow trägt Verantwortung für die Abteilung und hat den Auftrag, diese auszubauen. Für dieses und weitere unternehmerische Ziele wurde er eingestellt. Verrechenbarkeit ist dabei nur ein Teilaspekt. Genau hier begann die eigentliche Spannung.
Rabbow war fachlich stark, hoch engagiert und bereit, Verantwortung zu übernehmen. Trotzdem entstand nicht immer die Wirkung, die seinem Einsatz entsprach. Wenn er sich in fachliche Details vertiefte, fehlte Energie für Führung und unternehmerische Steuerung. Wenn er sich strategischen Fragen widmete, meldete sich das Gefühl, fachlich nicht nah genug dran zu sein.
Das Problem war also nicht mangelnde Leistungsbereitschaft. Im Gegenteil. Das Problem war, dass drei unterschiedliche Anforderungen gleichzeitig an ihm zogen. Und jede davon berechtigt war.
Genau dieser Spagat zwischen der Rolle des Fachexperten und der Rolle des wirtschaftlich denkenden Abteilungsleiters wurde zu einer Zerreißprobe – bis zum letzten Jahr.
Hilfestellung zur rechten Zeit

Franz Metz erkannte beim ersten Gespräch zwei Dinge sofort: Vor ihm stand ein Mann mit viel Potenzial – und zugleich ein Mann, der einen Großteil seiner Energie nicht richtig kanalisierte. Die hohen Reibungsverluste führten dazu, dass Rabbow seine PS nicht auf die Straße brachte. Zu Unrecht, wie sich in den nächsten Monaten herausstellen sollte.
Zunächst analysierte Metz die unterschiedlichen Anforderungen, die in Rabbows Funktion gleichzeitig wirksam wurden:
- Manager mit Prokura und Geschäftsführungsbefugnissen
- Teamleiter mit Personalverantwortung
- fachlicher Experte in einem hochspezialisierten Bereich
Das Cross-Roads Modell hilft, genau solche Rollenspannungen sichtbar zu machen. Es beschreibt, wie sich die Anforderungen an Führungskräfte verändern, wenn sie vom Expertenmodus in Team-, Funktions- oder Businessverantwortung hineinwachsen. Mit jedem Übergang verändern sich nicht nur Aufgaben und Erwartungen, sondern auch Prioritäten, Zeitverwendung und das eigene Rollenverständnis.
Mehr zum Cross-Roads Modell?
Bei Rabbow wurde dadurch schnell deutlich: Diese Anforderungen ziehen nicht automatisch in dieselbe Richtung. Während die Expertenrolle fachliche Tiefe verlangt, fordert die Teamleiterrolle Führung. Die Managementrolle wiederum verlangt unternehmerisches Denken und wirtschaftliche Steuerung.
Damit verschob sich der Blick auf das eigentliche Problem: Nicht fehlender Einsatz bremste Rabbow aus, sondern der Versuch, alle Anforderungen gleichzeitig mit derselben Intensität zu erfüllen.
Vorstand und Aufsichtsrat erwarteten von Rabbow, diese Spannungen souverän auszubalancieren. Kein Ding der Unmöglichkeit aber eines, das eine professionelle Herangehensweise erforderlich macht.
Die Analyse gestaltete sich kurz und schmerzlos, sodass zügig mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden konnte.
Einstellung und Sichtweise sind entscheidend
Im Folgenden arbeiteten die beiden systematisch alle relevanten Bereiche auf. Dabei ging es nicht darum, Rabbow fachlich besser zu machen. Das war nicht der Engpass. Der Engpass lag tiefer: in der Frage, aus welcher Rolle heraus er gerade handelte und welche Wirkung er damit erzeugte.
Ein wichtiges Thema war ein leicht diffuses Gefühl des Nicht-gerecht-Werdens. Konzentrierte sich Rabbow auf eine der drei Rollen, bekam er das Gefühl, die anderen beiden zu vernachlässigen. Zügig und mit dem richtigen Verständnis löste Metz den Knoten Stück für Stück.
Im Laufe der Arbeit erschloss sich Rabbow ein Weg, wie er seine unterschiedlichen Rollen sinnvoll priorisieren konnte. Und, noch wichtiger, wie er sich emotional von dem Anspruch löste, allen Anforderungen gleichzeitig gerecht werden zu müssen. Ein wichtiges Werkzeug dafür war der Rollensteckbrief.
Das Ergebnis war sofort sichtbar: Er bekam mehr Ruhe in seine Führungsarbeit, gab den Rollen eine klare Hierarchie und konnte Konflikte zielorientierter lösen.
Aus dem inneren Druck, überall gleichzeitig richtig sein zu müssen, wurde Schritt für Schritt eine neue Form von Klarheit: Welche Rolle ist jetzt gefragt? Welche Aufgabe gehört wirklich zu mir? Und wo entsteht mehr Wirkung gerade dadurch, dass ich nicht selbst eingreife?
Auch persönlich veränderte sich sein Alltag. Durch die Professionalisierung im Beruf nahm er zunehmend weniger belastende Themen mit nach Hause – ein großer Gewinn für ihn und seine Familie. Er sagte unlängst selbst, dass sein Leben durch das Transition Coaching mit der Beratergruppe PALATINA spürbar leichter geworden sei.
Metz räumte mit dem Glaubenssatz auf, dass Erfolg vor allem eine Folge maximaler Leistung sei. Vielmehr kommt es darauf an, die eigene Energie klug und an der richtigen Stelle einzusetzen. Und manchmal auch politische Überlegungen mitzudenken.
Ein Umdenken fiel Rabbow anfangs nicht leicht. Zu seinem Glück blieb Metz an dieser Stelle beharrlich, sodass Rabbow die Vorteile der für ihn neuen Sichtweise schon bald gut einsetzen konnte.
Auch das ist ein typischer Moment in solchen Entwicklungsprozessen: Was einen lange erfolgreich gemacht hat, wird auf der nächsten Ebene plötzlich zum Risiko. Fachliche Stärke, Einsatzbereitschaft und Verantwortungsgefühl bleiben wichtig. Aber sie reichen nicht mehr aus, wenn die eigene Wirkung vor allem über andere Menschen, Prioritäten und unternehmerische Entscheidungen entsteht.
Die Krux bei vielen Experten ist, dass sie meinen, es besser zu wissen. Auch wenn dies sicherlich oft zutrifft, bringt es sie doch nicht weiter, wenn sie in einer Managementposition angekommen sind aber immer noch im Operativen feststecken. Sie müssen die Transformation vom Mikro- zum Makromanager durchlaufen, wenn sie nicht scheitern möchten.
Auf Rabbow übertragen bedeutete dies zum Beispiel, die Denkweise eines Unternehmers stärker anzunehmen: Arbeiten delegieren, statt sie selbst zu erledigen. Und sich dabei relevante Fragen zu stellen: Welches konkrete Ziel verfolge ich mit meiner Arbeit gerade? Ist meine Zeit hier wirklich richtig investiert – oder wäre es im Sinne des Unternehmens wirksamer, wenn jemand anderes diese Aufgabe übernimmt? Wo muss ich mich zurücknehmen? Wo muss ich auch Nein sagen?
Als positiver Nebeneffekt entwickelte sich zudem ein besseres Verständnis für die Entscheidungen seiner Vorgesetzten.
Viele der oben beschriebenen Erkenntnisse ließen sich mit Metz’ analytischen Fähigkeiten erarbeiten. Für einige allerdings holten sie sich Stephan Ludwig mit ins Boot und bedienten sich einer besonderen Methode: der Business Aufstellung.
Mithilfe der Business Aufstellung, einer von Metz und Ludwig entwickelten Methode lassen sich verdeckte Dynamiken sichtbar machen, die über rein analytisches Nachdenken oft nur schwer zugänglich wären. Sie kann helfen, blinde Flecken in Unternehmens- und Führungsdynamiken aufzudecken und unterbewusste Hindernisse greifbarer zu machen.
Rabbow ist überzeugt: Die Aufdeckung dieser un(ter)bewussten Informationen hat ihm entscheidend weitergeholfen. Was ihn besonders überrascht hat, war die Klarheit der Ergebnisse. Wo vor der Business Aufstellung ein nicht zuordenbares Gefühl bestand, zeigte sich hinterher ein klarer Weg mit konkreten Handlungsschritten.
Während die Rollenklärung die strukturelle Seite des Problems sichtbar machte, öffnete die Business-Aufstellung den Blick für die darunterliegenden Dynamiken. Dadurch entstand ein vollständigeres Bild der Situation – und eine deutlich klarere Grundlage für die nächsten Schritte.
Nächstes Ziel: Erfolg ohne Stress
Das vergangene Jahr bezeichnet Rabbow rückblickend als eines seiner Schicksalsjahre. Denn er weiß nun, dass Erfolg auch ohne dauerhaften Druck und Stress möglich ist. Allerdings musste er sich innerlich verändern, um äußerlich die gewünschte Wirkung zu entfalten.
Metz hatte dabei zwei passende Schlüssel, die die Tür aufschlossen. Der erste Schlüssel war seine jahrzehntelange Expertise im Coaching komplexer Managementpositionen. Der zweite Schlüssel war das Einbringen der Business-Aufstellung, um verdeckte Dynamiken sichtbar und bearbeitbar zu machen. Die Kombination aus beidem führte in Rabbows Fall zu einem spürbaren und sichtbaren Fortschritt.
Heute trifft Rabbow seine strategischen Entscheidungen klarer, seine Abteilung wächst, und sein Stresslevel hat sich merklich reduziert. Vorher versuchte er, Wirkung vor allem über Einsatz zu erzeugen. Jetzt entsteht Wirkung stärker über Klarheit: über bewusste Prioritäten, über ein professionelles Rollenverständnis und über die Fähigkeit, nicht jede Anforderung persönlich bedienen zu müssen.
Der entscheidende Fortschritt lag nicht darin, noch mehr zu leisten. Er lag darin, die eigene Rolle bewusster zu verstehen, Energie gezielter einzusetzen und Führung nicht mehr als zusätzliche Belastung, sondern als wirksamen Hebel zu begreifen.
Damit steht dem nächsten Karriere-Schritt nichts mehr im Weg.

Dr. Franz Metz
f.metz@bg-palatina.de
Tel: 07272 / 91 608
