Die Rolle im Unternehmen als Wiege der Produktivität
In dem Moment, in dem Sie Ihren Arbeitsplatz betreten, nehmen Sie eine Rolle ein. Sie sind dann nicht mehr nur „Sandra Müller, die quirlige 30-Jährige, die gerne tanzt“, sondern zusätzlich noch Sachbearbeiterin, Ingenieurin, Teamleiterin oder Geschäftsführerin. Sie haben eine Aufgabe zur erfüllen: Mit Ihren Fähigkeiten, Erfahrungen, Ideen und Engagement müssen Sie aktiv einen Beitrag zum strategischen Erfolg Ihres Unternehmens leisten!
Eine geklärte Rolle ist die Wiege der Produktivität
Ein Unternehmen ist wie eine komplexe Maschinerie, die am Laufen gehalten werden muss. Dafür muss jedes Zahnrad sitzen – das heißt, die Menschen, die darin arbeiten, müssen genau wissen, was sie zu tun haben, sonst würde alles im Chaos versinken! Diese Voraussetzung für das Funktionieren einer Organisation nennt man Rollenklarheit.
Das klingt erstmal selbstverständlich und die meisten würden sagen: „Natürlich weiß ich, was ich zu tun habe! Das steht ja auch in meiner Stellenbeschreibung.“
Doch dieser Glaube ist häufig trügerisch. Denn immer wieder begegne ich in meiner Beratertätigkeit Führungskräften, die den ganzen Tag arbeiten, aber trotzdem mit ihrem Bereich nicht die nötigen Ergebnisse erzielen.
Sie kennen ihren Verantwortungsbereich und sind fachlich hochkompetent. Und doch fehlt den Führungskräften, ohne dass sie es bewusst merken, die Klarheit über ihre Rolle im Unternehmen. Es ist nie festgehalten worden, welche genauen Ergebnisse von ihnen erwartet werden – geschweige denn mit welcher Strategie sie diese erreichen.
Außerdem ist auch der Kontext im Unternehmen einem stetigen Wandel unterlegen. Das heißt, jede Führungskraft muss ihre Rolle darin immer wieder neu ausrichten, um an den strategischen Engpässen des Unternehmens zu wirken.
Genau das tut der Rollensteckbrief!
Der Aufbau des Rollensteckbriefs
Der Rollensteckbrief ist als One-Pager konzipiert: Eine Seite, auf der alle Aufgaben präzise und übersichtlich beschrieben sind, passend zu der Führungs- und Management-Rolle, zu der relevanten Business-Situation und den aktuellen Kontextanpassungen, die von Ihnen gefordert werden.
Anbei sehen Sie das Beispiel eines Bereichsleiters IT in einem Dienstleistungsunternehmen.
Der Rollensteckbrief unterteilt sich in fünf Felder:
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1.
Der Geschäftszweck als unternehmerischer Auftrag.
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2.
Die Leitlinien für Ihr Wirken im Unternehmen.
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3.
Die Schlüsselrollen, die besonders gut ausgefüllt werden müssen.
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4.
Die Arbeitsweisen, die unbedingt beachtet und angewendet werden müssen.
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5.
Die Interaktionen und die Vernetzung, die dafür sorgen, dass die Schnittstellen gut funktionieren und bei der Staffelübergabe nichts verloren geht.
Was auf den ersten Blick sehr übersichtlich und klar wirkt, beinhaltet tatsächlich viel Hirnschmalz und vor allem eine gute Vorarbeit. Um die eigene Rolle zu schärfen, müssen Sie erst den aktuellen Kontext und die strategischen Engpässe Ihres Unternehmens identifizieren und analysieren.
Mit einem Echtbeispiel wollen wir zeigen, wie das gelingen kann. Torsten ist Werkscontroller in einem deutschen Produktionswerk für Schmieröle eines internationalen Chemie- und Energiekonzerns.
Das Echtbeispiel: Werkscontroller Torsten
Torsten versteht sich als Controlling-Experte in besonderer Mission: Er liefert Daten, analysiert Zusammenhänge und stellt sicher, dass die Reporting- und Meldevorgaben des Mutterkonzerns eingehalten werden.
Im Rahmen eines Führungstrainings erstellt Torsten erstmals einen Rollensteckbrief. Die Aufgabe erscheint ihm einfach – „Ich weiß ja, was ich zu tun habe.“ Doch das Feedback des Trainers ist ernüchternd: Der Steckbrief wirkt wie eine leicht getunte Stellenbeschreibung. Gemeinsam beginnen sie noch einmal von vorne – bei den drei zentralen Einflussfaktoren.
Das Cross-Roads Modell
Das Cross-Roads Modell stellt die verschiedenen Anforderungen dar, die Fach- und Führungskräfte im Unternehmen abdecken müssen und ist eines unserer wichtigsten Werkzeuge.
Wenn Sie es noch nicht kennen, sollten Sie sich den letzten Blogbeitrag durchlesen!
Folgende Erkenntnisse zieht Torsten aus der Anwendung des Cross-Roads Modells:
- Torsten begreift sich als Fachkraft, nicht als Führungskraft – er führt kein Team disziplinarisch. Allerdings ist er mit vielen anderen Experten im Werk vernetzt – etwa aus Produktion, Labor/Qualitätssicherung, Instandhaltung, Einkauf und Supply Chain –, die ihm informell zuarbeiten. Diese brauchen klare Anforderungen von Torsten, um die richtigen Daten zu liefern.
→ Er führt damit faktisch ein informelles Expertenteam. Diese Sichtweise ist für Torsten völlig neu.
- Torsten verfügt als Hüter der Zahlen über exklusives Expertenwissen, ohne das die Werkleitung kaum fundierte Entscheidungen treffen könnte. Es reicht nicht, diese Daten nur zu sammeln. Er muss sie analysieren, verdichten und daraus belastbare Empfehlungen ableiten, um aktiv an Optimierungsprozessen und der unternehmerisch-strategischen Ausrichtung des Werks mitzuwirken.
→ Damit gewinnt seine Rolle stark an Bedeutung.
Die Business-Situation
Die Business-Situation erfasst die aktuelle wirtschaftliche Lage und Entwicklungsphase des Unternehmens oder Bereichs. Torsten begreift, in was für einer widersprüchlichen Situation sein Werk gerade steckt:
Der Konzern investiert massiv in neue Schmierstoffgenerationen, Nachhaltigkeit und Digitalisierung.
Um das zu finanzieren, werden die einzelnen Werke wie in einem Sanierungsfall geführt. Kostensparprogramme, Investitionszurückhaltung und permanenter Effizienzdruck bestimmen den Alltag.
Als „Herr der Zahlen“ kennt Torsten alle relevanten KPIs, Kostenstrukturen und Margeneffekte. In dieser Position muss er die Konzernstrategie mittragen und dafür an jeder Ecke nach Einspar- und Optimierungspotential suchen.
Die Kontextanpassung
Als wäre das alles noch nicht genug, hat auch noch die Werksleitung gewechselt. Der alte war Chemieingenieur, mit ihm konnte Torsten wunderbar über Mischverhältnisse, Chemikalienzugabe und andere technische Details fachsimpeln.
Die neue Werksleiterin kommt aus dem Vertrieb und hat von all dem keine Ahnung – dafür setzt sie Wert darauf, aus jeder Entscheidung einen Business-Case zu machen. Auch der Umgangston ist mit ihr ein ganz anderer, Torsten muss hier klarere Ansagen machen und viel schneller auf den Punkt kommen, um von seiner neuen Werksleiterin nicht abgewürgt zu werden – dabei ist er eigentlich der Experte und sie die Neue!
Das stellt für Torsten eine Unannehmlichkeit dar. Doch er begreift: um im Sinne seines Unternehmens zu handeln, muss er über seinen Schatten springen und seine Werksleiterin in ihrer Einarbeitung unterstützen. Auch wenn dafür eine Anpassung nötig ist.
Übertragung der Infos in den Rollensteckbrief
Die Ableitung der Einflussfaktoren ist für Torsten ein echtes Aha-Erlebnis. Ihm wird plötzlich klar, dass er die zusätzlichen Anforderungen bislang als lästiges Beiwerk, aber nicht als integralen Bestandteil seiner Rolle verstanden hat.
Torsten realisiert: Er ist Teil eines umfassenden Transformationsprozesses, dessen Gelingen maßgeblich von ihm und seiner Arbeit abhängt. Und der Rollensteckbrief kann sichtbar machen, welchen konkreten Beitrag er dazu leistet.
Aus den gesammelten Anforderungen ist der folgende Rollensteckbrief entstanden:
Torsten findet jetzt seine Rolle deutlich klarer. Zwar sind damit auch die Anforderungen an ihn und seine Arbeit gewachsen, aber er hat Klarheit darüber bekommen, wie er sich in der aktuellen Situation besser positionieren kann, woran seine Leistung gemessen wird und welchen Anteil er an der strategischen Entwicklung seines Werkes und damit des Konzerns hat.
Mit frischem Elan macht er sich daran, den Rollensteckbrief mit seiner Chefin abzustimmen.
Die Magie des Rollensteckbriefs
In den letzten 20 Jahren haben wir mit über 5.000 Führungskräften gearbeitet. Immer und immer wieder stellt das gemeinsame Erstellen des Steckbriefs einen magischen Moment im Coaching-Prozess dar. Einen Moment, in dem plötzlich Klarheit herrscht: „Das ist also meine Aufgabe.“
Für den Rest der gemeinsamen Zeit geht es dann noch darum, dranzubleiben. Die Dinge auch umzusetzen. Herausforderungen einzuordnen und an ihnen zu wachsen. Aber die Richtung ist dann klar.
Seine besondere Kraft entfaltet der Steckbrief bei der schonungslosen Betrachtung der Ist-Situation, um dann den Geschäftszweck als Antwort auf die aktuellen Engpässe und Herausforderungen herauszuarbeiten.
Wenn auch Sie Ihre Führungsleistung auf Erfolgskurs bringen wollen, stehen wir jederzeit bereit.
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