Zum Hauptinhalt springen

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Calendly. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen '
'
Mein Chef der Narzisst

Narzisstischer Chef: Wie Sie ein Gegengift brauen

Chef lächelt und in der Hand hält er eine Maske mit seinem Gesicht.

Simon Wenkerad (42) wird zum Leiter Controlling eines Teams von 12 Personen bei einem Energiedienstleister befördert. Er hat sich fest vorgenommen, sein Team besser zu führen als dies sein eigener Vorgesetzter tut: ehrlich, transparent, teilnehmend. Das macht Spaß, und er kommt gut an. Das eigentliche Problem ist sein Vorgesetzter, Geschäftsführer Harald Lorenz. Zwar hat er Simon gleich das Du angeboten und redet viel über Vertrauen, führt jedoch eine neue Regel ein, die Simon dazu zwingt, Harald jeden Abend per Mail über den Status des Geschäftstags auf dem Laufenden zu halten. Im Jour fixe schlägt Simon vor, enger verzahnt mit der Planung zusammenzuarbeiten. Harald macht ein skeptisches Gesicht und löchert Simon mit lauter kritischen Fragen, sodass Simon am Ende bereut, überhaupt davon angefangen zu haben. Umso mehr staunt er, als er zufällig mit in einer Gruppe steht, als Harald genau diese Idee gegenüber Geschäftsfreunden über den grünen Klee lobt und sich dabei so ausdrückt, als sei sie auf seinem eigenen Mist gewachsen. Macht der das mit Absicht?

Im Abteilungsleiterkreis verlangt Harald von seinen Teamleitern, während des sowieso schon stressigen Jahresabschlusses, an der Gründung einer eigenen Netzgesellschaft mitzuwirken. Vergeblich versucht Simon, in aller Höflichkeit darauf hinzuweisen, dass dies zu diesem Zeitpunkt einfach wenig Aussicht auf Erfolg verspricht. Wie ein beleidigter Sultan macht Harald daraufhin dicht. Zur „Strafe“ für seinen aufrichtigen, sachbegründeten Widerspruch wird Simon zum nächsten Teamleitermeeting gar nicht mehr eingeladen. Harald antwortet nicht auf Simons E-Mails, auch wenn es um eine dringend notwendige Unterschrift geht. Simons Bemühungen um ein klärendes Gespräch werden bereits in Haralds Vorzimmer abgebügelt.

Glänzende Fassade, toxischer Kern

Narzisstische Führungspersönlichkeiten sind nicht per se böse – aber gefährlich. Nach außen wirken sie souverän, visionär und durchsetzungsstark – doch hinter der Fassade verbirgt sich oft Unsicherheit, Manipulation und ein massiver Kontrollwunsch. Für Führungskräfte in der mittleren Ebene bedeutet das: Druck von oben bei wenig Rückhalt – und einen Drahtseilakt zwischen Loyalität und Integrität. Narzisstische Chefs erwarten stets Bewunderung. Beim leisesten Hauch eines Widerwortes neigen sie aber zu emotionaler Instabilität. Für sie gilt nur eine Regel: Ihre eigenen Bedürfnisse stehen über allem. Damit fehlt ihnen genau das, was gute Führung eigentlich ausmacht, nämlich Empathie, echtes Interesse am Gegenüber und die Fähigkeit zur Reflexion über eigene Herangehensweisen.

Machiavellistische Führung

Besonders destruktiv wirkt sich narzisstische Führung auf den gesamten Betrieb aus, wenn sie sich mit Machiavellismus verbindet: einem manipulativen, machtzentrierten Stil, der Menschen nur als Mittel zum Zweck behandelt. Führung wird dann nicht entlang den Bedürfnissen des Unternehmens gestaltet, sondern dient allein dem Ziel, die Position des Chefs zu sichern und auszubauen.

Machiavellistische Chefs…

    • nutzen Informationen selektiv, um Unsicherheit zu erzeugen
    • untergraben bewusst den Teamzusammenhalt
    • reagieren auf Loyalitätskonflikte mit subtiler oder offener Strafe
    • bauen Abhängigkeiten statt Vertrauen auf
    • belohnen nur Mitläufer, die ihnen fast blind folgen

Ein schönes Lehrbeispiel narzisstischer Führung ist der derzeitige US-Präsident Donald Trump. Besonders aufschlussreich ist seine Instrumentalisierung von Fakten. Aussagen werden je nach strategischem Ziel umgedeutet, relativiert oder in Frage gestellt, „Wahrheit“ zur Verhandlungsmasse. Dieselben psychologischen Mechanismen wirken auch in Simons Unternehmen.

Maulkorb hilft nicht

Simon beginnt, an sich zu zweifeln. Vielleicht war es ja Unsinn, was er gesagt hat. Vielleicht taugen seine Vorschläge ja wirklich nichts. In Sitzungen schweigt er nun lieber und überlegt zehnmal, bevor er den Mund öffnet. Bloß nicht wieder alles falsch machen! Auch seine Mitarbeitenden fragen im Vieraugengespräch: „Darf ich das so sagen oder ist das politisch gefährlich?“ Simons Unsicherheit überträgt sich auf alle. Der Maulkorb erlöst jedoch nicht von der allgegenwärtigen Unsicherheit. Simon beginnt, schlecht zu schlafen. Er arbeitet abends Mails nach, um bloß nichts offen zu lassen. In einem Gespräch mit einer vertrauten Kollegin sagt er: „Ich weiß gar nicht mehr, ob ich hier richtig bin – oder ob ich einfach nicht belastbar genug bin.“ Kein Zweifel: Der destruktive Führungsstil seines Chefs beginnt, Simons Selbstbild zu vergiften. Anstatt seinem Chef auf die Finger zu schauen, misstraut sich Simon selbst.

In seiner Not sucht Simon Hilfe bei einem Führungskräfte Coaching. Schon nach der ersten Situationsbeschreibung kommt ihm der Gedanke: Vielleicht liegt ja nicht alles an seiner eigenen Unfähigkeit – sondern an einem Mangel im System selbst.

Erkenntnis & Strategie

Wie Schuppen fällt es Simon von den Augen, wenn er vor Außenstehenden die narzisstischen Züge seines Chefs als solche zu deuten weiß. Harald braucht die totale Kontrolle – nicht, weil Simon unfähig ist, sondern weil Harald sich sonst selbst nicht sicher fühlt!

Und wie soll Simon nun dieser Tyrannei etwas entgegensetzen, ohne gleich wieder in die Katastrophe der Kommunikationsverweigerung zu schlittern? Der Coach zeigt ihm einen Weg, wie er strategisch daran gehen kann, klar, aber nicht konfrontativ mit Harald umzugehen. Dazu gehören ein paar neuartige Gesprächstechniken: weniger Ich-Botschaften, mehr Rückfragen, mehr Spiegelung von Haralds Ansichten. Ohne zum Mitläufer zu werden, kann Simon seine Zustimmung sachlich begründen. Fordert Harald bedingungslose Loyalität, so stürzt sich Simon nicht mehr auf diesen Köder für eine Konfrontation. Stattdessen demonstriert er zunächst eine loyale Haltung, verbiegt sich aber nie ganz in der Sache. Er garantiert Harald sein Engagement für die Gründung der Netzgesellschaft, sobald beim Jahresabschluss für sein Team Land in Sicht ist. Manchmal macht einfach der Ton die Musik, um auch Harald aus seiner Fixiertheit zu lösen.

Zurück in die eigene Kraft

Simon geht es nicht mehr darum, seinen Chef zu ändern. Es gelingt ihm – unabhängig, wie sehr Harald den Machiavelli gibt – sich selbst nicht zu verlieren und zu Klarheit und Mut zurückzufinden. Dank einer sich selbst bewusst gemachten Strategie steht Simon zu seinem Führungsstil mittels Menschlichkeit und Haltung. Für sein Team wird er wieder sichtbar und verbindlich. Mutig benennt er Dinge – nicht gegen den Chef, sondern für die Teamkultur. Seine Mitarbeitenden danken es ihm mit neuem Vertrauen.

Psychische Selbstfürsorge

Mit der Zeit ändert Simon seine Wochenstruktur und nimmt sich bewusst Pausen. Gezielt vernetzt er sich intern mit anderen Führungskräften. So fühlt er sich Harald gegenüber weniger ausgeliefert. Durch mannigfache Abstimmung eröffnet sich ihm neuer Handlungsspielraum.

Gute Führung auch im toxischen Umfeld

Zeichnet sich Ihr Chef durch eine oder gar alle der folgenden Eigenschaften aus?

    • überhöhtes Selbstbild („Ohne mich läuft nichts“)
    • Anspruch auf Sonderbehandlung
    • ständiger Drang nach Inszenierung und Aufmerksamkeit
    • Kontrolle durch Misstrauen
    • leichte Kränkbarkeit bei Widerspruch


Herzlichen Glückwunsch, dann gehören Sie zu den vielen Middle Managern, die täglich sowohl den Narzissten pampern, als auch den eigenen Anspruch einer besseren Führung retten müssen. Für Menschen, die führen statt dominieren wollen, ist ein narzisstischer Chef eine echte Belastung. Doch bekanntlich muss ja, wer andere führen will, auch in diesem Fall bei sich selbst beginnen. Niemand ist dazu verdammt, das Spiel des Machiavelli ohnmächtig mitzuspielen. Wem es gelingt, die narzisstischen Muster zu durchschauen, der hat schon die halbe Strecke auf dem Weg zur eigenen Strategie zurückgelegt. Und nur eine solche zeigt den Weg hinaus. Gerne helfen wir Ihnen dabei, sie zu finden.

Farbkontrast
Schrift
Inhalte markieren
Zoom