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Delegieren – aber individuell!

Mehr Aufgaben an das Team delegieren – aber richtig!

Wasserglas. Orangensaft wird dazu eingeschüttet.

Wie kann man Wasser in ein Glas schütten, das schon randvoll ist? Mit dieser Fragestellung sehen sich viele Führungskräfte und Projektleiter täglich konfrontiert: Es gibt zu viele Aufgaben für zu wenige Hände. Und ihr Team erbringt nicht die Leistung, die von der Organisation erwartet wird. Das kann drei Ursachen haben:

1. Das Team wurde in der Vergangenheit falsch geführt

und hat sich in einen Zustand von Minderleistung „eingenistet“ und diesen Zustand als Normalzustand für sich definiert.

2. Das Team ist durch eine gravierende Veränderung plötzlich unter Druck geraten

und kann die höheren Anforderungen (z. B. bei Leistung, Qualität) nicht erfüllen. Ebenso können die Rahmenbedingungen durch z. B. Personalkürzungen schwieriger geworden sein.

3. Das Team wird falsch geführt

d. h. der aktuelle Führungsstil des Chefs aktiviert nicht alle Leistungs- und Entwicklungspotenziale, die in dem Team stecken und verhindert damit eine ständige Weiterentwicklung und optimale Leistungsentfaltung.

Die beiden ersten Konstellationen können hier nicht näher betrachtet werden. Denn allein durch Führung lassen sie sich nicht beheben. Der dritte Fall lässt sich hingegen sofort verändern. Führungskräfte neigen manchmal dazu, die ungenügende Gesamtleistung ihres Teams durch eigene Spitzenleistung zu kompensieren. Sie denken, das wäre einfacher und würde weniger Frust und Unzufriedenheit hervorrufen.

Falsch gedacht! Denn nicht alle Wassergläser sind unwiderruflich und objektiv randvoll und der Preis für die Führungskraft ist zu hoch.

Das „volle Glas“ von Steffen – Ein typisches Beispiel aus der Praxis

Genau vor dieser Situation stand Steffen, Teamleiter im Vertrieb eines Softwareunternehmens. Sein Schreibtisch quoll über, die Anforderungen im Unternehmen stiegen, doch sein Team schien an seine Leistungsgrenze gestoßen. Immer wieder bekam er zu hören: „Da passt nichts mehr rein – unser Glas ist voll.“

Zunächst versuchte Steffen, die Defizite seiner Mitarbeiter durch eigene Leistung zu kompensieren – obwohl er längst an seiner persönlichen Belastungsgrenze war. Der Frust wuchs, ebenso wie die Erschöpfung und der Stress zuhause.

Sein Vorgesetzter riet ihm: „Delegier doch mehr!“ – aber wie, wenn niemand im Team bereit oder fähig scheint, zusätzliche Verantwortung zu übernehmen?

Steffen erinnert sich an eine Begebenheit mit Michael, einem langjährigen Mitarbeiter.  Er wollte ihn gezielt für Upselling-Aktivitäten einsetzen, um neue Services zu promoten – doch der Plan ging schief. Michael blockte ab, gab sich überfordert und reagierte genervt. „Ich hab doch keine sechs Hände, was soll ich denn hier noch Alles machen!“, war seine Antwort. Schwupps war die Aufgabe wieder zurück bei Steffen.

Reifegradgerechte Führung macht den Unterschied

Mitarbeitende wollen normalerweise einen optimalen Leistungsbeitrag liefern und müssen dazu situativ und entsprechend ihrem Reifegrad geführt werden. Mit einer solchen reifegradgerechten Führung ist gemeint, dass der Führungsstil des Chefs sich konsequent am Können und Wollen des Mitarbeitenden orientiert – und zwar pro Aufgabe.

Im Fall von Steffen wurde deutlich: Michael war ein erfahrener Verkäufer für etablierte Produkte & Services – aber nicht für Neue. Für diese Aufgabe war sein Reifegrad niedrig, ein R2 (erste Erfahrungen, aber unsicher und wenig motiviert). Steffen hatte ihn aber wie einen R4 (engagierter Professional) behandelt – das konnte nicht funktionieren.

Skizze Reifegradrechte Führung

Die vier Grundführungsstile bei der Aufgabenübertragung

Grundsätzlich sollte jeder Führungsstil die Mitarbeitenden zu einer höheren Leistung stimulieren und zu einem höheren Engagement zur Erfüllung der Unternehmensanforderungen beitragen. Damit können sie mehr Aufgaben übernehmen und darüber hinaus einen Beitrag zum Lernfortschritt des Teams und jedes einzelnen Teammitglieds zu liefern. Das Team lernt schneller und passt sich schneller an neue Anforderungen an – und der Output des Teams steigt.

Das Grundprinzip beim Führen lautet: Lead to Perform & Develop!

Übersicht der Führungsstile des Reifegradgerechten Führens

Tabelle Reifegradgerechtes Führen

Zurück zu Steffen: Delegation ist Entwicklung

Im Coaching lernte Steffen, dass Delegation kein einmaliger Akt ist, sondern ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess. Er begann, Michael zunächst mit kleineren, überschaubaren neuen Vertriebsaufgaben zu betrauen – und begleitete ihn mit einem trainierenden Führungsstil: klare Lernziele, enge Unterstützung, direktes und konstruktives Feedback. Nach einigen Wochen zeigten sich erste Fortschritte: Michael brachte sich aktiver ein, wurde sicherer – und entwickelte langsam das nötige Selbstvertrauen und hatte auch erste Erfolge.

Steffen erkannte: Wenn er Aufgaben richtig übergibt – angepasst an den Reifegrad – wächst nicht nur der Mitarbeiter, sondern auch das gesamte Team.

Praxis-Tipp: Reifegradeinschätzung im Mitarbeitergespräch

Regelmäßige Mitarbeitergespräche sind das A und O, um ein Team leistungsorientiert zu führen. Solche Gespräche sollten anhand eines klaren Schemas vorbereitet werden.

Zunächst werden die Hauptaufgaben des Mitarbeiters definiert. Dann wird der Reifegrad pro Aufgabe eingeschätzt – und der passende Führungsstil zur Aufgabenübergabe abgeleitet.

So entsteht ein konkreter Fahrplan für Entwicklung und Leistung.

Ausgefülltes Formular

Die zwei häufigsten Fehler in der Praxis

  • Die Führungskraft hat einen Lieblingsführungsstil und führt alle Mitarbeitenden im Team in diesem Stil – unabhängig von deren Reifegrad in der jeweiligen Aufgabe.
  • Die Führungskraft hat einen Einheits-Führungsstil pro Mitarbeiter, und differenziert aber nicht nach den verschiedenen Aufgaben. Am Beispiel von Michael haben wir gesehen, dass auch Steffen diesen Einheits-Führungsstil am Anfang praktiziert hat.

Beides führt dazu, dass Potenziale nicht aktiviert und Mitarbeiter nicht optimal weiterentwickelt werden.

Fazit: Delegation entlastet und bringt ihr Team zu mehr Leistung

Jeder Mitarbeitende muss – abhängig vom Reifegrad in seiner jeweiligen Aufgabe – geführt werden. Es sollte nicht den einen Führungsstil für alle Mitarbeiter geben. Das geht aber nur, wenn Sie sich als Führungskraft genügend Zeit zur Reifegradeinschätzung und zum reifegradgerechten Führen nehmen. Denn es ist anspruchsvoll, beim einzelnen Mitarbeitenden unterschiedliche Führungsstile anzuwenden.

Was Sie dafür brauchen:

  • Erfahrung oder begleitende Beratung
  • Konsequentes Einüben im Führungsalltag
  • Den Mut, Aufgaben auch mal zuzumuten, selbst wenn zunächst Widerstand kommt

Auch Steffen hat lernen müssen, dass es Durchhaltevermögen, Kontinuität und manchmal sogar den ein oder anderen „Machtkampf“ braucht, um sein neues Führungs- und Leistungsverständnis im Team durchzusetzen. Doch der Erfolg gibt ihm recht: Sein Team entwickelte sich, seine eigene Belastung sank, und sein Glas ist nicht mehr randvoll – es geht noch was rein!

Weiterführende Impulse für neue Teamleads mit Altlasten

Holen Sie sich auch Ideen zu den ersten beiden Konstellationen:

1) Team wurde in der Vergangenheit falsch geführt

2) Team ist durch eine gravierende Veränderung plötzlich unter Druck geraten

Blogbeitrag

Sturmsegeln – Jetzt bloß nicht baden gehen“ und „Krisenmanagement

Wie erkenne ich die Warnsignale einer beginnenden Krise? Wie erreiche ich in dieser heiklen Situation mein Team? Diese Anleitung in 4 Schritten für ein erfolgreiches Krisenmanagement wird Ihnen Antwort auf diese Fragen geben und Ihr Team krisensicher machen.

Schiff auf dem unruhigen Meer

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